"Live is a long piece of recording wire with a knot in it ..." - JZL
1987 startete ich in München bei den Kammerspielen als Tontechniker. Den Abschluss auf der School of Audio Engineering absolvierte ich währenddessen. Zu diesem Zeitpunkt unterhielt ich mit zwei Musikerkollegen das erste Tonstudio.
1989 mit einer Vorproduktion in unserem Studio (ja, so was gab´s damals noch) auf Wunsch der Sängerin mit in die UNION STUDIOS gepilgert. Dort war der Assi kurz vorher ausgefallen, ... ich hatte den Job - und blieb 7 Jahre. Mein größtes Glück war unter die Fittiche von Mr. Zeke Lund - englischer Toningenieur von Gottes Gnaden und eine Seele von Mensch - geraten zu sein. Cheers, Zeke!
Computer hielten Einzug in die professionelle Studiowelt und ich bekam die Möglichkeit, mich von Mr. Max Hoskins, Sound Designer und Supervisor aus London am SYNCLAVIER ausbilden zu lassen. So ein SYNCLAVIER kann man sich vorstellen wie eine Schrankwand aus den 80ern, aus der Unmengen von Kabeln raushingen. An deren Enden hing nicht nur eine Tastatur und ein Bildschirm sondern auch noch eine Klaviatur der edelsten Sorte. Bombensache, das Gerät konnte sampeln und direkt auf Festplatte aufnehmen! Da die Komponenten allerdings zum größten Teil der Lockheed-F104 - auch bekannt als "Starfighter" - enstammten, war die Ersatzteilversorgung auf Grund von Exportverboten in Zeiten politischer Spannungen gleich Null. Aber auch eine Leckage am Swimmingpool im ersten Stock der Studiovilla konnten dem Wunderwerk nichts anhaben. Einzig die Rezession auf dem deutschen Musikmarkt, .... die hat der gesamte Studiokomplex nicht überlebt.
Und ich war in der Audio Post gelandet.
1996 wechselte ich in ein Tonstudio für Werbung. Ich ließ Babywindeln knistern, bastelte tagelang an einem Biss ins Knäckebrot und mischte mit einer Kompression, dass einem die Ohren bluteten. Ich wurde für diese Zeit zu einem der Audioverbrecher, denen erst im August 2012 das Handwerk gelegt wurde. Die Pegelnorm "EBU R-128" wurde eingeführt. Höchste Zeit, denn die Pegelsprünge zwischen Programm und Werbung wurden zunehmend unerträglich.
Ich durchlief mit dem Studiobetreiber einige Höhen und Tiefen, war zeitweise Bauleiter für ein neues Studio, das sich mit Strausseneierlampen illuminieren ließ und in dem im Kino kleine modellierte Ohren zum Zwecke der Schalldiffusion aus den Wänden ragten. Auch durfte ich hier Zeuge werden, wie im Rahmen der Modernisierung eines der Studios die Techniker mit der Schlagschere den falschen Kabelstrang .....
Zwei Jahre und unzählige Spots später klingelte das Telefon.
2004. Ein guter Bekannter aus der Branche meldet sich und mutiert während des Gesprächs zum Mittelsmann. Ich möge mich doch Mal bei Herrn Curt Cress melden, wir würden uns sicher gut verstehen. Und ein Studio hat er auch.
Wir haben uns gut verstanden und ich übernahm die Funktion des Studioleiters und Tonmeisters der PILOT STUDIOS. Ich rekrutierte meine zersprengte Mannschaft aus der Werbezeit und wir verwandelten die ehemaligen Musikstudios in eine audio post facilty höchster Güte. Es folgten Jahre, die Alle bis an Ihre Grenzen beanspruchten. Wir stemmten in 4 Studios zeitweise bis zu drei Dailyformate parallel zu wöchentlichen Primetime Shows.
Wir bauten eine mobile Tonregie, die mich in meiner seit Jahren anhaltenden Arbeit als Ton Supervisor unterstützte. Statt mit einem "losen Blattwerk" an Geräten zu reisen war jetzt in einigen wenigen Cases alles untergebracht, was auch in jedem unserer Studios im Glockenbachviertel zu finden war. Die Aufbauzeiten verringerten sich auf ein absolutes Minimum. Die Qualität stieg - auch unterwegs. Als Dauergast in einem Fernsehstudio im Süden Berlins bezog ich mit dem mobilen Studio ein ausgemustertes Schnittmobil, das wir mit dem jeweiligen Ü-Wagen vernetzten. Während der Proben zu den Sendungen konnte auf die Art schnell und flexibel auf alle Wünsche bezüglich Sound Design reagiert werden. Über die Jahre entwickelte sich dieses Satellitenstudio zu einem Kultobjekt und wurde kurzer Hand in "Olimobil" umgetauft. Das wurde dann auch regelmäßig kurz vor einer Livesendung zum Epizentrum von Änderungen. Aber wer die Werbebranche überlebt hat ....
Mit der Umstrukturierung einer Privatsenderkette verloren wir unseren größten Auftraggeber. Es folgten zwei Jahre der Akquise mit einer ernüchternden Erkenntnis: Wir konnten in diesem Rahmen unserem Anspruch an Qualität auf Grund fallender Budgets nicht mehr gerecht werden. Wir entschieden uns die Studios im laufenden Geschäft zu schließen.
2011. Man braucht keine hellseherischen Fähigkeiten um aus der Marktbewegung seine Schlüsse zu ziehen.
Die Forderung von Herstellungsfirmen nach einer Senkung der Produktionskosten kann viele Gründe haben. Aber sie ist existent. Und so kommen wir nach vielen Zeilen dort an, wo diese Webpräsenz ihren Anfang hat: In der Präsentation von Möglichkeiten, trotz niedrigerer Kosten die Qualität zu steigern.
Mittlerweile habe ich mich außerhalb von München mit einem professionellen und komfortablen Studio niedergelassen und konzentriere mich auf die Bereiche Ton Supervision und remote audio post.
t.b.c.